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Nach einem Gespräch, notiert von Sophia Nabokov
[+JvA] Das Globale Eher Besser besteht in einer operationalisierbaren Leerstelle, die binär strukturiert ist: Eher so als so. Diese Leerstelle kann in kommunikativen Zusammenhängen dadurch etabliert werden, dass die Teilnehmer sich vor dem Horizont des Globalen Eher Besser beobachten und ihre konkreten Theorie- und Praxisvorschläge aus einer Hypothese des Globalen Eher Besser ableiten. Das Globale Eher Besser ist also gleichsam ein auf Entwicklung angelegtes symbolisches, in einem bestimmten Zusammenhang sich generalisierendes Kommunikationsmedium: Einerseits binär strukturiert (so ist Operationsfähigkeit gewährleistet), andererseits aber flexibel und Gegenstand permanenter Verhandlungen. [-JvA]
[+snab] Das als eher besser Bezeichnete steht allerdings mit dem tatsächlich Eher Besseren in einem dunklen Verhältnis. Dies rührt nicht nur daher, dass grundsätzlich die Unterscheidung zwischen Beschreibung und etwas Tatsächlichem fundamental ist, sondern Ungewissheiten auf unterschiedlichsten Ebenen eingerechnet werden müssen. [-snab]
[+JvA] Das Globale Eher Besser ist demnach eine Recheneinheit, die flexibel und eben nicht konstant ist, wie beispielsweise die Unterscheidungen Freund/Feind, wahr/unwahr, Recht/Unrecht. Sie ist eine Sinninstanz, die gleichsam den festgefügten Sinn transzendiert, und damit eine Differenz, die sensibel für die Ergebnisse von Forschungen ist, die von ihnen ausgeht und die für sie eine permanente Irritation in sich einbaut. Die kybernetische Leerstelle des Globalen Eher Besser rekurriert nicht mehr auf den Humanismus, dessen Emanzipationskonzept unappetitlich am emphatischen Subjektbegriff haftet und deshalb immer liebäugelt mit der Schönheit der Gewalt und der Gewalt der Schönheit, sondern die kybernetische Leerstelle des Globalen Eher Besser stellt eine operationalisierbare strukturelle Abstraktion dar. Wie hängen Erleben und die Strukturen der Datenströme zusammen?
[+snab] Man könnte zum Beispiel fragen, welche Medien eher für One-to-many-Strukturen geeignet wären und welche eher für die Individualkommunikation. [-snab] Sophia Nabokov
[+JvA] Tatsächlich operationsfähig wird das Globale Eher Besser erst, indem der Begriff mit Konkretem gefüllt wird: Mit Arbeitshypothesen. Die Arbeitshypothese kann nur rhetorisch als Herleitung des Ansatzes aus dem Globalen Eher Besser in den Arbeitszusammenhang eingeführt werden. [+JvA]
[+tnvh] Wie aber soll eine Praxis konkret aussehen? Wie will man kommunikative Strukturen, du sprichst von Datenströmen, gewaltlos verändern? Braucht es hier nicht eine Vermittlungszone? Diese Vermittlungszone könnte sich aus dem Zusammenhang von kommunikativer Struktur und Format ergeben, denn jedes Format impliziert und erzwingt eine kommunikative Struktur. Oder vielleicht lassen sich am Ende mit der Betrachtung der puren Datenströme und der Sender-Empfänger-Verhältnisse gar keine Beschreibungen anfertigen, die das nötige Maß an Genauigkeit haben. Könnte man allerdings einen Zusammenhang von Format und Erleben herstellen, würde alles darauf hinauslaufen, wie man entsprechende Formate entwickeln und ins Spiel der gesellschaftlichen Reproduktion bringen kann. Wollte man sich an die systemtheoretische Evolutionstheorie anlehnen, hätte man es mit zwei getrennten Problemen zu tun: Erstens mit dem Problem der Variation, also wie variiere ich Formate? Konkret: Was für Strategien der Entwicklung von Formaten gibt es? Anschließend hieran: Wie regelt und formatiert man die entsprechenden Experimente? Und zweitens mit dem Problem der Selektion, also wohin mit den entsprechenden Ergebnissen, wie schafft man Attraktivität für gewisse experimentell entwickelte Formate? Oder an welchen Stellen bewahrt man Zwischenergebnisse auf, so dass es wahrscheinlich wird, dass andere sie aufnehmen und weiterentwickeln? Sind generative Archive hierfür der rechte Ort? [-tnvh]
[+ JvA] Oder ist die Struktur, das Ganze so verdorben, dass es doch nicht ohne gewaltsame Einflussnahme auf die Selektion geht? [-JvA]
Über das Globale Eher Besser mitdiskutieren.