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Die Inhalte unseres Wissens sind strukturiert, d.h. in Form von kognitiven Schemata (griech. Form, Gestalt) in unserem Langzeitgedächtnis gespeichert. Ein kognitives Schema enthält abstrahiertes Wissen über einen bestimmten Gegenstand (z.B. “Baum”) und seine charakteristischen Merkmale (z. B. “Stamm, Äste, Wurzeln”). Dieses Wissen trifft somit auf unterschiedliche Vertreter des besagten Gegenstandes zu (z.B. auf verschiedene spezielle Bäume). Folglich ist ein und dasselbe kognitive Schema in gleicher Form auf unterschiedliche konkrete Wahrnehmungsgegenstände anwendbar.
Kognitive Schemata erleichtern die Interpretation neuer Wahrnehmungsinhalte, indem sie prototypische Vertreter bestimmter Gegenstände beschreiben. Anhand der Prototypen können aktuell wahrgenommene spezielle Gegenstände zutreffend interpretiert werden.
Die handlungsleitende Funktion schematischen Wissens wird insbesondere im Konzept des Script-Schemas (Schank & Abelson, 1977) deutlich. Wie ein Drehbuch in der Filmproduktion, enthalte ein kognitives Skript die typischen Merkmale und Abläufe einer bestimmten Situation. Das Skript “Konzertbesuch” beispielsweise beinhaltet den Ort (z. B. “Konzertsaal”), die Zeit (“abends”), die handelnden Personen (z. B. “Orchester, Dirigent, Publikum”), deren Motive (“Publikum kommt, um Musik zu hören”), usf.
Wesentliche Elemente von Skript-Schemata sind Repräsentationen bestimmter Handlungsabläufe (z. B. “Konzertbesucher zeigen ihre Eintrittskarten und nehmen Platz”), die häufig als Wenn-dann-Verhaltensregeln beschrieben werden (“Wenn ich meine Karte gezeigt habe, dann suche ich meinen Platz auf”).
Ein Skript-Schema repräsentiert somit allgemeines Wissen über eine bestimmte Art von Situation. Es ist daher – mit entsprechenden Modifikationen - auf unterschiedliche Konkretisierungen eines Situationstyps anwendbar (z.B. auf unterschiedliche Konzertbesuche), sowie auf verschiedene inhaltliche Erfahrungsbereiche (z.B. Restaurantbesuch) übertragbar. Skript-Schemata ermöglichen uns, neue Informationen zu verstehen und zu interpretieren. Vernehmen wir etwa den Satz: „Er hatte keine Karten mehr für das Konzert bekommen”, so erschließt sich uns dessen Bedeutung erst vor dem Hintergrund unseres Skripts “Konzertbesuch” – ohne dieses Skript bliebe uns die Information weitgehend unverständlich. Über das Verständnis einer Situation hinausgehend, ermöglichen uns Skript-Schemata außerdem, Erwartungen über den zukünftigen Verlauf einer Situation aufzubauen sowie einer Situation angemessene Handlungsziele zu entwickeln und zu verfolgen.
Janus von Abaton