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Die alte Dichotomie von Inhalt und Form baut auf alteuropäische Ontologie: Auf der einen Seite gibt es einen Inhalt, der, wenn er als Gegensatz zur Form gedacht wird, offensichtlich formlos und damit körperlos ist, und damit nur reiner Geist sein kann und auf der anderen Seite stehen die Formen, in die dann wie in einen Behälter jener form- und materieloser Geist einfahren kann, wie Wasser und Wein in neue und alte Schläuche1).
Würden wir uns umgekehrt klar machen, dass jede Idee einer Verkörperung bedarf und nicht am ewigen Ideenhimmel steht und von da nur zeitweilig seine Verkörperung in den Dingen und Beschreibungen findet2), sondern umgekehrt, dass das Geistige ein Produkt kultureller Verkörperungen und Kommunikation (Die immer auch einer Materialität bedarf.) ist, kommen wir zu der Frage, wie den das, was wir unter “Inhalten” oder Geist verstanden haben, entstanden sein könnte.
Auf diese Frage gibt es viele Antworten.
Wenn wir die Geistes- und Kulturwissenschaften betrachten, müssen wir zunächst unterscheiden zwischen Theorieunternehmen, die immer noch mit dem Begriff des Inhaltes operieren und rein geistige Fäden konstruieren, die sich durch die Jahrhunderte ziehen ohne Modelle der Rekursion von Kommunikation, von Ökonomie und Kulturtechniken mitzudenken und jenen Theorieunternehmen, die die Last auf sich nehmen, das Geistige (das was uns phänomenologisch so nah ist und identitätsstiftend) als ein Resultat von etwas anderem zu denken. Einen ersten wichtigen epistemologischen Hinweis geben uns Marx, Nietzsche und Freud.
Alle Gesellschaften kennen nicht nur Sprache, sondern auch in der Sprache nochmals kondensierte Ausdrucksweisen, besondere Namen oder Worte, Redensarten, Situationsdefinitionen und Rezepte, Sprichwörter und Erzählungen, mit denen bewahrenswerte Kommunikation zur Wiederverwendung aufbewahrt wird. Wir nennen solche Kondensierungen Semantik.3)” Niklas Luhmann
Marxistisch wird alle Semantik als Resultat der Dialektik zwischen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen verstanden. Alle Theorie ist, so gesehen, Ideologie und von einem Interesse geformt und man kann dann nur noch die Frage stellen, wem diese Ideologie nützt. Eine für das eigene (Klassen)Interesse nicht zureichende Ideologie zu benutzen, wird marxistische als Verblendung beschrieben. Die von Marx erarbeitete Beschreibung des Verhältnisses von Gesellschaft und Wissen wird in der Wissenssoziologie insbesondere bei Karl Mannheim4) kritisch weiterverarbeitet.
Die von Friedrich Kittler entwickelte medienmaterialistische Sichtweise (er selbst spricht von der Wissenschaft der Mediengeschichte), versteht die Semantik als Effekt von Kulturtechniken. Für Kittler fängt in Griechenland nicht der Menschen an, zu philosophieren, sondern das Vokalalphabet.
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