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Emergenz ist das Auseinanderfallen evolutionärer und funktionaler Priorität.
Emergenz bezeichnet das Hervortreten neuer, eigendynamischer Eigenschaften eines Systems beim Übergang von einer niedrigeren zu einer höheren Ebene, die nicht allein auf die Eigenschaften der Elemente auf der niedrigeren Ebene zurückzuführen sind, sondern auf die Rekursivität von Operationen des Systems selbst. Die Dynamik eines Systems, seine Logik und seine Programme, ist also weder aus der Vermehrung von vorhandenen Elementen, noch durch deren Verknüpfung gegeben, sondern durch die Eigenbildung des Systems, die auf niedrigerer Emergenzebene eine vollkommen andere Qualität inne hatte. Das System ist also nicht eine Struktur oder ein Verhältnis von an und für sich existierenden Elementen, sondern die Elemente des Systems werden durch die Operationen des Systems gebildet.
So setzen etwa molekulare Strukturen atomare voraus, ohne durch sie erklärbar zu werden, ebenso wenig kann Leben allein durch die nicht-biologischen molekularen Strukturen erklärt werden. Bewusstsein setzt die Ebene der biologischen, neurologischen und physikalisch-chemischen Materialität voraus, entwickelt aber eine neue, autologische Qualität.
Gesellschaft entsteht systemtheoretisch an der emergenten Schwelle des sinnhaften Reflexivwerdens von Kommunikation. Sie besteht also nicht aus Menschen oder dem Zusammentreffen von Bewusstseinen, sondern unterliegt als Kommunikation einer Autologik, die nicht vom Bewusstseinssystem ableitbar ist. Deshalb versteht die Systemtheorie Kommunikationsakte und nicht Menschen oder Individuen als das Letztelement von Gesellschaft. Die Logik der Gesellschaft (systemtheoretisch verstanden als Kommunikation) hängt nicht vom Menschen (was immer das sein mag) oder Bewusstseinssystem ab, sondern wird durch die Autologik der Kommunikation reguliert. Um diese Logik auf der Ebene des Sinns zu fassen, entwickelt Luhmann den Begriff symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium.
Inwiefern es sinnvoll ist, auch die soziale Evolution als emergenten Prozesse zu beschreiben, müsste im Hinblick auf bestimmte Fragestellungen und Forschungsinteressen beantwortet werden.
Systeme gelten in dem Sinne als emergente Erscheinung, als sie mit Hilfe der System/Umwelt-Unterscheidung eine selbstreferentielle Organisationsform gewinnen, die Erzeugung und Erhalt systemeigener Elemente über eine operative Relationierung leistet.