Begriff

Jeder Begriff gewinnt seine Form an anderen Begriffen, gegen die er sich abgrenzt. Da Begriffe performative Codes darstellen, verhalten sich Begriffe in ihrer Anwendung, insbesondere im Alltag, umweltsensibel.

Ihre für wissenschaftliche Zusammenhänge notwendige Kontur gewinnen Begriffe in der expliziten Unterscheidung. In der Regel können Begriffe deshalb auf eine Unterscheidung zurückgeführt werden.

Hierzu Niklas Luhmann:

„Über Theorieentwicklungen informiert man sich am besten durch die Frage, welche Unterscheidung einen Begriff bestimmen. So bezeichnet der Gesellschaftsbegriff in der Unterscheidung von Staat etwas anderes, als in der Unterscheidung von Gemeinschaft, und davor lag eine Tradition, die sich mit der Unterscheidung von häuslichen und politischen Gesellschaften begnügte.1)

„Damit hängt zusammen, dass Unterscheidungen oft nahezu unbemerkt geändert werden, indem man die bezeichnete Seite, an der das Anschlusswissen hängt, festhält, aber ihren Gegenbegriff austauscht. So kann man (ohne zureichende Kontrolle dieses Substitutionsvorgangs) von der alten Unterscheidung Natur und Gnade im 18. Jahrhundert zu Natur und Zivilisation und im 19. Jahrhundert zu Natur und Geist - ein Austausch, der im Übrigen signalisiert, dass sich das Naturverständnis verändert, wenn nicht auflöst, ganz unabhängig von der Kontinuität theoriegeleiteter Forschung in den so genannten Naturwissenschaften.2)

1) Niklas Luhmann, Die Wissenschaft der Gesellschaft, Frankfurt am Main 1990, p.236
2) ebenda
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