Instrument der Forschung

KESHMA als Forschungsinstrument

Die Hard- und Software & ihre Folgen

KESHMA ermöglicht als Tool eine Netzstruktur. Die unter KESHMA als Tool liegende Software ist das Doku-Wiki von Andreas Gohr. Dieses Wiki ist nicht wie klassische Wikis gebaut (wie etwa MediaWiki), das Rhizomstrukturen, Strukturen also ohne Hierarchie begünstigt, sondern Doku-Wiki fördert ein Durchdringen von Baumstrukturen und Rhizomstrukturen. In der Praxis der Kommunikations- und Arbeitsabläufe entsteht so ein Netzwerk, das seine Struktur und Regeln selbst bestimmen kann.

Das Doku-Wiki ist nicht wie EIN Wiki, sondern wie viele Wikis, beliebig viele, gebaut. Denn unter jedem Namespace entsteht ein eigenes Wiki.

Zwar wird der Gesamtprozess von einem Maintainer moderiert, doch in jedem Unterverzeichnis kann ein eigener Maintainer vollkommen selbstbestimmt arbeiten und dabei auf einen wachsenden und sich entwickelnden Wissensformat-Kanon (in An- und Abwesenheit und für Sprechen und Schreiben) zurückgreifen. Es wäre durchaus möglich, dass ein Einzelprojekt, das sich in einem Namespace entwickelt, wichtiger wird als das Hauptprojekt.

Ist die vollkommen horizontale Struktur eines konventionellen Wikis dafür geeignet, sozial redundantes Wissens zu sammeln (Beispiel: Wikipedia), reicht diese bloße Rhizom-Struktur nicht aus, um wissenschaftliche und künstlerische Innovation zu leisten. Das Neue erscheint dem sozial redundanten Wissen oft zunächst als Fehler. Um das Neue gegen das Ganze zu schützen und ihm eine Chance zu geben (eine Variation der Evolution anzubieten), muss es dem allgemeinen Konsens zunächst entzogen werden. Dies eben ist nur in Hierarchien und/oder mit Hilfe von Regeln möglich. Die Hierarchie oder Macht also (dass etwa Durs Grünbein seine Gedichte nicht zunächst der Allgemeinheit vorlegen muss, sondern, dass er sich an einen Verleger wenden kann und seine Verse Buchstabe für Buchstabe so drucken lassen kann, wie er es meint, zu wollen) ermöglicht erst nicht-affirmative Arbeitsprozesse, die Produktion von Kunst und Wissenschaft und die Entwicklung von Kultur.

Die Frage der Struktur und Ordnung ist immer mit Hierarchie und Macht verknüpft. Die Frage ist nur, auf was die Herrschaft baut1).

Freie Forschung wäre eine Forschung, die nicht auf Reputation baut und ohne Autorenzurechnung der Aussagen arbeiten würde. Wie aber können Aussagen und Aussagenstrukturen Macht bekommen, ohne dass das Symbol der Autorenschaft Macht erlangt und Anschluss- und Ausschlusswahrscheinlichkeiten herstellt? Jeder kommunikative Zusammenhang, insbesondere ein offener kommunikativer Zusammenhang, muss seine Komplexität reduzieren und durch Erwartungen strukturieren. Damit ist eine Gleichwertigkeit der Aussagen im operationalen Vollzug eines offenen Zusammenhanges ausgeschlossen. Es müssen Erfahrungen in Erwartungen überführt werden, damit kommunikative Anschlüsse sinnvoll möglich werden. Diese Erfahrungen sollen aber nicht auf Reputationen und symbolischem Management basieren, sondern nur auf Qualifikationen, die IM Arbeitsprozess augenscheinlich werden.

Nicht, ob es Macht und Herrschaft gibt, entscheidet über Emanzipation, sondern ob diese Macht und Herrschaft reflektiert wird und bearbeitbar ist.

Struktur durch Vision

Die Vision schafft Blindheiten gegenüber dem Material. Die eigene Vorstellung ist das, was im Prozess mit dem Material und seinen Vollzugsregeln (Medien und rekursive Regulative) relativiert werden kann, dennoch kann die Vision oder die Vorstellung einer Struktur hilfreich sein, wenn es sich hier nicht um geschmackliche Vorlieben, sondern um Leerbegriff-Relationen handelt. Es gibt vom KESHMA-Team vorgeschlagene semantische Felder, die von besonderem Interesse wären und deren Erkenntnisse in den Gesamtprozess zurückgeschrieben werden sollen.

Von KESHMA werden jene Forschungsvorhaben und künstlerischen Projekte gefördert, die ihre Methoden explizieren und in experimentelle Wissensformate (Regelsätze) um- und in KESHMA zurückschreiben.

Auf diese Weise entstehen Experimentelle Wissensformate.

Upgrading Keshma

1) Aufschlussreich hierzu die Unterscheidung von Max Weber: Herrschaft durch Tradition, durch Charisma und durch Rationalität.
research/00-forschungsinstrument.txt · Last modified: 2008/02/21 11:58 by 84.190.128.144
 
 
 
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