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| DialogDesign [DD] 2006/08 |
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Was man bedenken und sein lassen kann.
Ein Fahrer hat sich aufs Fahren zu konzentrieren. Das scheint selbstverständlich wie es selbstverständlich erscheint, dass sich eine fragende Person auf die Fragen zu konzentrieren habe. Wie aber kommt es zu diesem ‘Fahren’, zu diesem ‘Fragen’? Aus der Vermeidung von Kollisionen? Daraus, die Zeit der Antwort zu nutzen, um die Anschlussfrage vorzuformulieren und diese in einer Art Vermeidung peinlicher Leere, sozusagen kollisionsfrei, sofort parat zu haben?
Nicht, dass die Anschlussfrage nicht wichtig wäre. Denn ohne Anschluss geht die Sache nicht weiter und erfährt, ganz im Gegenteil, ein schnelles Ende. Ein Dialog zur Reflexion soll also nicht zum Stillstand kommen sondern ständig in Bewegung gehalten werden.
Dialoge leben von einer antreibenden Dynamik, von einem Perpetuum Mobile, vom ‘Weiter und Weiter’. Gerade in Dialogen, von welchen hier die Rede ist, in welchen also der Reflexionsprozess selbst der Gegenstand des Gespräches ist, kommt dem Anschluss eine ganz besondere Bedeutung zu. Denn es sollen nicht Fragen nach Fragen abgearbeitet werden. Ganz im Gegenteil sollten sich die Gesprächsakte in einer Weise folgen, dass das Gesagte die Möglichkeit erhält, beim Dialogpartner einen Reflexionsprozess in Gang zu setzen und in Gang zu halten.
Um eine solche Reflexionstätigkeit, aber auch eine solche Gesprächsführung nachvollziehbar zu beschreiben, sei zunächst ein Bild herangezogen, welches den Sachverhalt idealtypisch darstellt.




Hören und Fragen :: eine mehrgleisige Tätigkeit
→ dem Gedanken hinter dem Gesagten folgen
→ den gedanklichen Weichenstellungen und Abzweigungen folgen
→ das Gesagte mit eigenen Referenzen verbinden
→ das Gesagte aus Sicht der Rezeption antizipieren, ‘hören’
→ Kritik UND Empathie wirken lassen
1. Dem Gedanken hinter dem Gesagten folgen
Hinter dem Gesagten einen Gedanken zu entdecken, ist unterschiedlich schwierig. Die Fälle sind vielfältig und kompliziert:
BEFRAGTER Aktant
Gedanke klar — Darstellung klar
Gedanke klar — Darstellung unklar
Gedanke unklar — Darstellung klar über Unklarheit
Gedanke unklar — Darstellung unklar über Unklarheit
FRAGENDER Aktant
Darstellung klar — Rezeption klar
Darstellung klar — Rezeption unklar
Darstellung unklar — Rezepition klar über Unklarheit
Darstellung unklar — Rezeption unklar über Unkarheit
...
In deutlichem Gegensatz zum Dialog, verstanden als die Entwicklung von Gedanken über das Sprechen, stehen Situationen, in welchen das Wort viel weniger wichtig ist als das, was nicht in Worten ausgedrückt wird oder werden kann. “Wissen Sie, der Dialog ist für mich ja nicht so entscheidend. Entscheidend ist, was zwischen den Zeilen geschieht, die kleinen Gesten, die Art, wie gesprochen wird.” Das sagt Wong Kar-wai in einem Interview mit Verena Lueken in der FAZ am 21. Januar 2008 in Cannes.
Wong Kar-wai im Interview mit Verena Lueken, FAZ.net, 21.1.2008
Im Interview auf YouTube sagt Wong Kar-wei in Part zwei nach 07:47 Minuten: “The biggest challenge was for Tony and Maggie is... I tell them: ‘This film is not going to be verbal. You are not going to express yourself through dialogues. You have to express yourselves through...” weiter auf Part 3: “...through the body, your small gestures, your glances.’ And with Tony, it is very hard, because normally, in my film, in my previous film, Tony would be a narrator. He has a lot of voice-over. He can express himself. But this time, he becomes mute. He cannot provide any voice-over, there is no point of view. He can only express himself through his body.” Und nach 04:52 Minuten wiederholt er: “The film is not verbal. Everything is expressed through the body, through the people how they walk, how they move. There are some details I want to show in slow motion. Most of the slow motion is carrying the action, and the environments, the slow motion in the newspaper place, and when Maggie is hanging around in the margin’s tables. And it is all about a certain space and a mood. And I wanted to capture this in slow motion.”
YouTube::Interview mit Wong Kar-wai, Part 2 of 3
YouTube::Interview mit Wong Kar-wai, Part 3 of 3
Im selben Masse, wie der audio-visuelle Film genau von diesem nonverbalen ‘Dazwischen’ lebt und von Wong Kar-wei in seinen Filmen bis ins kleinste Detail elaboriert wird, sosehr sind die Dialoge, von denen hier die Rede ist, auf die Kompetenz und Performanz der Sprache und der Sprechenden angewiesen. Denn das Wort, der Logos, das Versprachlichen dieses ‘Dazwischen’, das zur Sprache bringen dessen, was noch nicht Sprache ist, und beispielsweise physisch, in kleinen Gesten oder als Art zu sprechen existiert, genau dieser Prozess vom Nicht-Wort zum Wort macht den erwünschten Ertrag dieser hier besprochenen Dialoge aus.
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