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| DialogDesign [DD] 2006/08 |
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Beim Gespräch geht es unter anderem um den Austausch von Informationen und Meinungen, von Sachkenntnis und Vorstellungen. Gespräche können initiiert werden, wenn Informationen eingeholt werden sollen, welche bis zu diesem Zeitpunkt für eine oder mehrere Personen nicht oder nur unvollständig bekannt sind. Um Informationen einzuholen, hat sich die Frage als ein probates Mittel herausgestellt. Wie die Frage gestellt wird, bestimmt über den Erfolg des Fragezieles.
Damit Klarheit entstehen kann darüber, welche Formen des Fragens identifiziert werden können, soll dieses kurze und kleine Kapitel nicht fehlen, selbst wenn es zunächst überflüssig und ‘banal’ erscheint. Die Praxis zeigt, dass gerade das Repertoire vorhandender Frageformen viel zu wenig angewandt und viel zu oft missachtet wird. Das öffnet nicht nur Missverständnisse den Weg, sondern auch Potenziale der Informationsgewinnung gehen verloren, weil die falsche Frage gestellt, will heissen: die falsche Frageform angewandt wurde.
Aus der Redepraxis dürfte allen die Dynamik bekannt sein, welche von Kirchner [1974, S. 41] auf eine griffige Formel gebracht wird: “Zur Gesprächsführung lautet eine alter Verhaltensregel: Wer fragt, der führt – wer fragt, der aktiviert – wer fragt, der produziert.” . Für alle Menschengeschlechter anwendbare hiesse das: “Wer fragt, führt – wer fragt, aktiviert – wer fragt, produziert.”
Es geht in der Tat weniger um den Aspekt des “Führens”, der Tatsache, dass eine Asymmetrie hergestellt oder sogar aufrecht erhalten wird. Dieser Aspekt ist unter der Zielsetzung einer optimalen Reflexionsbereitschaft nebensächlich. Er ist nicht Zielsetzung des Gespräches.
Zielsetzung des Gespräches ist es, die befragte Person, nennen wir sie wieder “Instanz 1”, zu Aussagen über dein eigenen Gegenstand zu bringen, welche aus möglichst unterschiedlichen Perspektiven durchzuführen sind. Damit ist gemeint, dass die befragte Person immer wieder aufgefordert, extern induziert, herausgefordert wird, den eigenen soeben darstellten Aspekt wieder neu zu betrachten. Das kann ein anderer Aspekt sein, eine andere Betrachtungsweise, eine andere Perspektive, eine andere Ebene der Anschauung, eine andere Zielsetzung.
Diese multiple Betrachtung fordert eine Beweglichkeit des Denkens. Diese Wendigkeit wird im Dialog dadurch erzeugt, dass die fragende Person, nennen wir sie “Instanz 2”, darauf konzentriert ist, jeweils alternative Betrachtungsweisen auf das von Instanz 1 Geäusserte zu finden. Man kann hier im wahrsten Sinne von ‘Denkanstoss’ sprechen.
Dabei geht es nicht darum, dass Instanz 2 ‘richtige’ oder ‘falsche’. sprachliche Äusserungen hervorbringt. Ausschlaggebend ist, dass es gelingt, Widerstände zu erzeugen, an denen sich Instanz 1 reiben kann, um immer weiter zu gehen in den Formulierungen. Um während des sprachlichen Austausches “Gedanken zu verfertigen”, wie das Heinrich von Kleist so treffend beschrieben hat in seinem Aufsatz.
Jede Regel, auch jede Faustregel, hat ihre Kehrseiten. Doch ist der Blick auf die Formen des Fragens grundlegend, denn sie können als Werkzeuge dienlich sein.
Auch hier gilt, Wachsamkeit walten zu lassen, ob nicht vielleicht Fragemöglichkeiten vorhanden sind, welche hier nicht zur Sprache kamen, jedoch kommen sollten.
Alternativfrage
Bestätigungsfrage
Fangfrage
Informationsfrage
Ja/Nein-Frage
Rhetorische Frage
Stimulierungsfrage
Suggestivfrage
Änderungen vorbehalten
Angaben ohne Gewähr
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