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| Dialog im Design 2006/08 |
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Die gesamte Arbeit ist durchzogen von parallelen Vorgängen und der Befruchtung wie Beeinflussung folgender Tätigkeiten:
Erstens ist der Ausgangspunkt der Arbeit meine – hier sage ich das bewusst – eigene Praxis, also die Beschreibung, Analyse und das Nachvollziehen meines eigenen praktischen Vorgehens.
Zweitens sind das auf die Fragestellung der Untersuchung hin ausgerichtete Exzerpieren von Literatur und drittens das Anwenden der Erkenntnisse aus der Literatur auf die Analysen und Experimente die beiden weiteren, ausschlaggebenden methodischen Bausteine meines Vorgehens. Die theoretischen Erkenntnisse werden praktisch auf die Probe gestellt.
Viertens fliessen die Konfrontationen durch die Dozierenden wesentlich in die Anlage der Arbeit ein. Methodisch ist der Fortgang der Arbeit von diesen Feedbacks mitgeprägt: Beispielsweise brachte André Heiz nach einer meiner ersten Präsentationen ins Spiel, dass die Istanbul-Interviews nur ein Vorwand sein könnten, die Gesprächsmethode zu reflektieren. Dieser Gedanke gefiel mir sosehr, dass er zum Schwerpunkt der Arbeit wurde. Ruedi Baur fragte wiederholt danach, doch meine eigene Methode mehr in den Vordergrund zu rücken und zum Gegenstand meiner Untersuchungen zu machen, und auch weitere mediale Formate zu wählen als nur den Text. Der zweite Schwerpunkt dieser Arbeit ist das eigene Vorgehen geworden, die Ausgabeformate sind vielfältig. Vera Kockot machte mich darauf aufmerksam, die Problemstellungen der Symmetrie in den Gesprächen näher zu beleuchten, und Clemens Bellut warnte mich davor, in philosphische Betrachtungen abzudriften und ich hoffe, dass es mir gelingt, uns alle in der vorliegende Arbeit zu verschonen.
Fünftens werden die Ergebnisse aus den durchgeführter Experimenten analysiert und führen zu weiterführenden Fragestellungen.
Im ersten Schritt wird eine Typologie von Dialogen erstellt: welche Arten von Dialogen in der Literatur bekannt sind sowie deren Kontexte. Dem semiotischen Zeichenmodell von Dr. André V. Heiz verpflichtet, werden für jede Dialogart deren Aspekte, kulturelle und ideele Vorstellungen sowie deren Repräsentationen untersucht. Zu den notwendigen Aspekten zählen, und das ist für diese Arbeit von besonderer Bedeutung, auch die spezifischen dialogischen Vorgehensweisen. Es ist auch für jede Gesprächsart zu klären, mit welcher Zielsetzung und Folgeverwendung ein Gespräch verbunden ist.
Im zweiten Schritt werden vorgefundene und selbst erstellte Dialoge untersucht. Dies dient einem ersten Versuch, Interaktionsfiguren zu identifiziert, um auch diese in einem nächsten Schritt zu typologisieren.
Bei den selbst erstellten Interviews soll die eigene Methode untersucht werden. Die Interaktionsfiguren werden mit Hinweisen auf die erinnerte Motivation und Zielsetzung einer Frage oder Bemerkung kommentiert. Das könnte aufschlussreich sein, um mögliche methodische Neuansätze zu generieren, welche bis dahin aus Gewohnheit, nicht jedoch als bewusstes Gesprächsgestaltungsmittel eingesetzt wurden.
Sowohl in den vorgefundenen wie auch den selbst erstellten Dialoge wird das Augenmerk gelenkt auf deren Kontext, Situation, Ziel und Zweck, Rollenverteilungen, Rahmendbedingungen, Beteiligte Dritte. Die Prozesse des gesamten Gesprächsablaufs werden dargestellt, von der Vorbereitung über das Gespräch selbst bis zur redaktionellen Nachbearbeitung, den Feedbacks und möglichen Reflexionen, den Nachbesserungen und redaktionellen Überarbeitungen bis zu den ausgedrückten Erkenntnisgewinnen. Ziel ist herauszufinden, ob und in welcher Weise auch andere Phasen des gesamten Prozesses als nur die des eigentlichen Gesprächs für Dialoge im Sinne dieser Untersuchung von Bedeutung sind.
Im fünften Schritt werden die Ergebnisse aus allen vorigen Schritten aufeinander bezogen und wo möglich miteinander verglichen. Erkennbare Überlappungen, Ähnlichkeiten, Gleichsetzungen, aber auch Unterschiede und nicht kongruente Merkmale werden gekennzeichnet.
Gesprächsexperimente werden durchgeführt, um die gewonnen Erkenntnisse anzuwenden und auf ihre Wirksamkeit hin zu überprüfen. Die identifizierten Gesprächselemente werden in der Praxis erprobt: Wie sind die einzelnen Elemente für die Gesprächsgestaltung einsetzbar? Wie nutzen sie im Verlauf eines Gespräches? Bei diesen Experimenten ist darauf zu achten, dass möglichst alle Gesprächsinteraktionen bewusst und argumentiert angewandt werden.
Eine Reihe von Dialogexperimenten werden für klar definierte Aufgabenstellungen und unter spezifischen Rahmenbedingungen durchgeführt. Im Zusammenhang mit dem Forschungsprojekt STADTLABOR LUZERN soll herausgefunden werden, wie Gespräche durchgeführt werden müssen, damit der befragte Experte möglichst ungestört eine Beziehung zum Objekt herstellen kann, und weniger zu den beiden fragenden Interviewerinnen. Diese Versuchsanordnung wird an der entsprechenden Stelle genauer erörtert.
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