---------------------------- Original Message ----------------------------
Subject: Feedback Forschungsanträge
From: neue.methode@kein.org
Date: Sun, June 11, 2006 1:29 pm
To: medinealtiok@gmail.com
vmpechel@balcab.ch
ulrike.felsing@hgkz.net
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Liebe Forschende,
vielen Dank für die Anträge. Vielleicht können Sie mir noch ein wenig
Feedback zu den „Fragen an die Forschung“ geben, was war hilfreich, was
unverständlich, mit was konnten Sie nichts anfangen? War es schwierig die
Struktur zu füllen? Wo war es schwierig, wo leicht?
Der zweite Schritt wäre nun, einen Text von etwa 200 bis 250 Wörtern zu
schreiben, in dem alles noch mal zusammengefasst wird.
Nach Einsicht in Ihre Forschungsprojekte habe ich zwei Anmerkungen zu machen:
1) Erscheint mir ein zentraler Punkte ein bisschen aus dem Blick geraten:
die Funktion.
Um nach der Funktion eines Gegenstandes zu fragen, fragt man, was wäre,
wenn es ihn nicht gäbe. Die Frage lautet also: Was wäre, wenn es Ihre
Forschung nicht gäbe?
Es ist sinnvoll, zunächst den Status Quo zu beschreiben und in Richtung
auf ein Problem zuzuspitzen (= rhetorisch zu pointieren). Im
wissenschaftlichen Kontext ist dieser Status Quo oft identisch mit dem
Forschungsstand. Im Bereich des Designs fällt Funktion und Forschungsstand
überall dort, wo es auch zu einer Praxis kommen soll, auseinander. Hier
reicht es dann auch nicht aus, allein auf eine Wissenslücke hinzuweisen,
sondern man muss konkret formulieren, warum diese Wissenslücke ein Problem
darstellt und damit begründen, warum es notwendig ist, diese Wissenslücke
zu füllen.
2) Der zweite Punkt betrifft den Umgang mit Nicht-Wissen: Fruchtbare
Forschung ist im großen und ganzen Spezifizierung von Unwissenheit. Man
sollte sich deshalb davor hüten, Behauptungen aufzustellen. Statt dessen
kann man Fragen formulieren oder falsifizierbare Arbeitshypothesen.
Letztere müssen deutlich gekennzeichnet sein.
Gut, wenn man versucht, den Antrag, den wir nun auf höchstens 250 Wörtern
runterbrechen, möglichst anspruchslos zu formulieren. Sprachliche
Feinheiten kann man später einfügen.
Manchmal kann ein Beispiel, die Sache besser verständlich machen.
Beispiel (für Antrag von Ulrike Felsing):
Immer noch denkt man, wenn man an Design denkt, in erster Linie an Logos
und Brands, die eine feste Identität verkörpern. Wir leben in einer Welt
der Veränderung, in der kaum etwas bleibt, wie es ist. Entsprechen die auf
EINE Identität zielenden Logos und Gestaltungen noch unserer heutigen
Welt? Brauchen wir gerade in Zeiten der permanenten Veränderungen stabile
Erscheinungsbilder, um uns in dieser Welt überhaupt noch zurechtzufinden
oder sind diese unzeitgemäß und verkörpern veraltete Machtstrukturen?
Welche Chancen liegen in einem Design, das nicht auf Identität, sondern
auf Veränderung zielt und auch sein eigene Prozesshaftigkeit mit
thematisiert?
Das Projekt „Flüssige Identitäten“ möchte diese Fragen stellen und nach
den Möglichkeiten und Chancen eines flüssigen Designs fragen; auch und
insbesondere im Hinblick auf die Verkörperung gesellschaftliche Prozesse
…
Ziel der Forschung ist es, Methoden und Ansätze zur Entwicklung von
flexiblem,
prozesshaftem Corporate Design zusammenzutragen, zu analysieren und in
einer Publikation darzustellen. Eine wichtige Rolle werden Fallbeispiele
spielen.
Methode [= konkretes Vorgehen]: (Hier muss man anschaulich sein und kann
nicht auf Fachwissen bauen.)
- cut -
Mir sind für die Projekte, die falsifizierbaren Arbeitshypothesen bzw. die
in der Forschung zu klärenden Fragen oft unklar.
Glück zu allen!
tnvh
–
NEU:
http://www.formatLabor.net
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