Auf dem Weg zu einer Alternativen Ökonomie - Ausschitte aus Rohrpost

Am 04.01.08 schrieb Mirko Fichtner <macro@c-base.org>:
> Ich habe vor zwei Jahren mal ein solches Projekt angefangen, Open Movie,
> ein collorabatives Drehbuch, das dann von einzelne Szenen von einzelnen
> Teams bearbeitet werden sollten - so das ein Patchworkfilm entsteht.
> Allerdings waren viele Sachen in 3D geplant, wobei alle Modelle dann
> jedem zur Verfügung stehen. Auch kann jeder sein eigenen Schnitt machen
> bei Lust und Laune.
> Würde so etwas funktionieren können?
>
> Viele Grüße
> macro

Am 04.01.08 schrieb Till Nikolaus von Heiseler
<till.n.v.heiseler@googlemail.com>:
Ja, ich glaube das eben ist das Problem: Alles ist Möglich = Nichts passiert.

Das ist sozusagen der Denkfehler aller Techniker. Man muss Regeln
festlegen und man muss garantieren, das wenn die Regeln eingehalten
werden, es verwertbare Resultate gibt. Und dann kann natürlich jeder
andere Regeln vorschlagen, muss nur eben dann auch garantieren, das was
rauskommt.

Das kann man ganz schön in der Zusammenarbeit in Wikis erleben.
(((Vielleicht diskutieren wir erst mal über Zusammenarbeit generell und
kommen später auf Videoproduktionen zurück.)))

Wenn ich für meine Studenten ein Wiki hinstelle und ein paar Texte ablege
und sage, jeder kann überall schreiben, schreiben in 4 Seminaren mit
jeweils ca. 25 - 30 Personen KEINER. Nun haben wir es immerhin geschafft
eine Plattform aufzubauen, auf der tatsächlich Leute (mehrere
Universitäten) arbeiten, da werden DFG-Forschungsanträge entwickelt und
Tagungen werden in Videoform abgelegt. Alles ist offen.

Da ist ja nun Medientheatraliker bin, zitieren ich aus einem Chat mit Pit
Schultz::::

Chat Pit Schulz - tnvh
23. Okt. 2007

-+€€€€€€€€€€€€€€€€€€€€+-
M E D I E N T H E A T E R
[Vorhang auf!]
-+€€€€€€€€€€€€€€€€€€€€+-

Pit: wer macht den wiki-gärtner bei euch?

15:29 till.n.v.heiseler: Die Gärtnerei ist Regelorientiert, ich habe die
Gene in Form von Spielregeln geschrieben und alles läuft nach unseren
Vorgaben, die so ein bisschen kategorisch vorgetragen wurden um allen ein
bisschen halt zu geben und das Gefühl, dass wir wissen wovon wir sprechen.
Es gibt 5 Makrobereiche, die nach unterschiedlichen Regeln gestaltet werden.
1. Digital Classroom = Akademischer Lehrer sagt, wie’s läuft.
2. keshma case = Projekte in jeweils eigenen Namespaces.
3. Media archives = Vorträge, offen aber bitte nix ändern.
4. Von uns Open Wiki = no rules
5. reseach = Metareflexion des Gesamtprojektes offen für alle beteiligten.

Pit: sehr interessant. guck mal:
http://meta.wikimedia.org/wiki/Using_the_python_wikipediabot

15:35 till.n.v.heiseler: class room läuft gut. Die Projekte übersehe ich
nicht alle, aber sie stören sich zumindest nicht. Wird viel gearbeitet.
media achives habe ich vorträge hochgeladen und so. Benutze ich auch wenn
ich Seminare gebe. Die Seite von Wolfgang Ernst ist da probeweise
ausgearbeitet. Können auch die Studenten benutzen. und research habe ich
mal ein glossar versucht, habe dann in unseren block übertragen
(www.formatlabor.net/blog) aber noch nicht sichtbar gemacht. Werde das
alles jetzt noch mal aus dem block in unser formatlabor-wiki holen. Für
die Publikation. Die kommt nun endlich im Frühling bei Kadmos (und heißt
Medientheater).

15:36 Pit: toll  das waere mal ein thema fuer einen workshop bei
newthinking 15:37 stellst du das modell andernorts mal vor?

till.n.v.heiseler: ja. nur leider weiß ich nicht wirklich, warum es nun
funktioniert und davor nicht. Ich kann zwar erklären was ich gemacht habe.
Aber warum das nun besser geht, weiß ich nicht. Impressionmanagment? Die
Pointe ist, das im Open Wiki, wo es keine Regeln gibt, NIEMAND GESCHRIEBEN
HAT.

>
>
> Janus von Abaton schrieb:
> > Die Frage wäre doch, auf welche Bereiche man die Modelle übertragen
könnte . O.k. Wikipedia, klar… wir haben mal versucht das auf
Videoproduktion zu übertragen.
> >
> > http://www.formatlabor.net/blog/?p=45
> >
> > …sind die Zeiten eigenlich vorbei, wo auf Rohrpost tatsächlich über
Dinge diskutiert wurde?
> >
> > jANUS
> >
> >
> >
> > ——– Original-Nachricht ——–
> >
> >> Datum: Tue, 1 Jan 2008 16:05:06 +0100 (CET)
> >> Von: Sophia Nabokov <sophia_nabokov@yahoo.de>
> >> An: Till Nikolaus von Heiseler <till.n.v.heiseler@googlemail.com>,
rohrpost <rohrpost@mikrolisten.de>
> >> Betreff: RE: [rohrpost] Volker Grassmuck erklärt zum Jahreswechsel
was Freie Software ist…
> >>
> >
> >
> >> Lieber Till,
> >> hier schicke ich dir den korrigierten Text für den Blogartikel (
> >> http://www.formatlabor.net/blog/?p=208 ) und auch über Rohrpost; –
vielleicht
> >> will ja jemand mitdiskutieren. Ich hoffe, dass ich die Sache richtig
> >> verstanden habe und es im Text nicht mehr so viele Tippfehler gibt.
Und ich hoffe
> >> auch, dass es dir nix ausmacht, dass ich ihn hier poste.
> >>
> >> Sophia
> >>
> >> Hier der Text:
> >>
> >> Die Geschichte der Freien Software ist nicht nur die Geschichte eines
nie
> >> da gewesenen Produktes, eines Produktes, das einerseits immateriell ist
> >> (wie alle digitalen Daten) und anderseits produktiv wie andere
> >> Produktionsmittel auch (wie etwa Fabriken und Maschinen), sondern die
Geschichte der
> >> Freien Software erzählt das Wachsen einer alternativen Ökonomie, in
der Arbeit
> >> nicht mehr bezahlt wird und Leistungen nichts mehr kosten. Die
> >> Arbeitsstrukturen in denen Freie Software geschrieben (produziert)
wird, sind
> >> prinzipiell offen. Prinzipiell im zweifachen Sinne a) im Sinne der
der Definition
> >> und des Prinzips - Freie Software zeichnet sich dadurch aus, eben
nicht in
> >> einem geschlossenen Unternehmenszusammenhang produziert zu werden und
b) im
> >> Sinne der Einschränkung, denn tatsächlich teilnehmen kann nur der,
der es
> >> vermag zum Autor Freier Software zu werden und eine entsprechende
> >> Qualifikation mitbringt. Wenn wir die Produktionsstrukturen Freier
Software
> >> modellhaft begreifen und
> >>  also nach ihrer Übertragbarkeit auf andere Arbeits- und
> >> Produktionsstruktur fragen, erscheint es sinnvoll, zunächst die
Besonderheiten der Freien
> >> Software zu beschreiben.
> >>  1. Historische Wurzeln. Computerprogramme haben womöglich zwei Wurzeln.
> >> Die eine liegt in der kostenlosen Beigabe der Software zu einer Hardware
> >> und die andere liegt in der Universität. Die Universität ist ein
> >> privilegierter Ort, zu vergleichen mit dem antiken Staatstheater. Ein
Ort, der für
> >> die Wissensproduktion der Gemeinschaft so wichtig erscheint, dass man
ihn
> >> gemeinschaftlich über Steuern finanziert.
> >>  2. Globalität. Die Zusammenarbeit an Freier Software ist grundsätzlich
> >> nicht örtlich gebunden, sondern kann über das Internet geschehen. Sie
ist
> >> nicht lokal gebunden.
> >>  3. Anerkennungsökonomie. Die Community ist gut vernetzt und das
> >> Bedürfnis der Anerkennung besteht vor allem in der
Peer-to-Peer-Gruppe. Die
> >> Anerkennung der Peer-to-Peer Gruppe ist nicht käuflich. Den anderen
> >> Gesellschaftsmitglieder ist die Wertschätzung der eigentlichen
Programmierarbeit
> >> weitgehend verschlossen (denn Sie können den Code nicht lesen und
> >> beispielsweise eine elegante Lösung nicht von einer weniger eleganten
unterscheiden).
> >>  4. Inmaterialität. Es handelt sich um ein digitales Produkt d.h. um ein
> >> Produkt, das prinzipiell kostenlos distribuiert werden kann. Wird ein
Brot
> >> gebrochen und verteilt, bekommt jeder nur einen Teil. Die digitale
> >> Information dagegen wird durch Teilung nicht weniger. Unter diesem
Aspekt ähnelt
> >> Software allen Formen von Information und Wissensformen, die sich von
ihren
> >> materiellen Trägern emanzipieren können.
> >>  5. Kopplung von Lese- und Schreibkompetenz. Für Programmierer ist ein
> >> Code, wenn er offen ist, lesbar. Gegenüber ihren Konsumenten verhält
sich
> >> Software dagegen eher wie audio-visuelle Formate (Kinofilme,
TV-Format) zu
> >> deren Konsumenten: Sie ist ausschließlich ausführbar. Dies entspricht
der
> >> Lesbarkeit (dem Sehen und Verstehen) etwa von Filmen. Der Konsument von
> >> Filmen und TV besitzt in der Regel eine Lese- , aber keine
Schreibkompetenz.
> >> Auf der Seite der Programmierer verhält sich Freie Software wie Schrift;
> >> denn bei Schrift schließt Lesefähigkeit in der Regel die Fähigkeit zu
> >> Schreiben ein.
> >>  ***
> >>  Die Produktionsstrukturen der Freien Software verweisen auf eine
Welt, in
> >> der Arbeit und Konsum neuen Regeln gehorchen, eine Welt, in der die
> >> Lebensberechtigung von Geldarbeit abgekoppelt ist (vgl. hierzu
Konzepte des
> >> bedingungslosen Grundeinkommens) und in der deshalb nicht für den
Bedarf,
> >> sondern für Bedürfnisse produziert werden. (Zur Unterscheidung von
Bedürfnis
> >> und Bedarf)
> >>
> >>
> >> Till Nikolaus von Heiseler <till.n.v.heiseler@googlemail.com> schrieb:
> >> Volker Grassmuck erklärt zum Jahreswechsel was Freie Software ist..
> >> Sein Buch “Freie Software” gibt es zum kostenlosen Download :::
> >>
> >> http://www.formatlabor.net/blog
> >>
> >>
>
>
> –
> rohrpost - deutschsprachige Liste zur Kultur digitaler Medien und Netze
> Archiv: http://www.nettime.org/rohrpost
http://post.openoffice.de/pipermail/rohrpost/
> Ent/Subskribieren:
http://post.openoffice.de/cgi-bin/mailman/listinfo/rohrpost/
>http://www.formatlabor.net/blog
http://www.formatlabor.net
http://www.tnvh.dehttp://www.formatLabor.net/blog
http://www.formatLabor.net/lara

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